Popwelle. Das Musikradio
 

Popwelle Hit-Storys

Hier präsentieren wir Euch noch einmal die Texte zu unseren wöchentlichen Popwelle Hit-Storys (wöchentlich, immer Donnerstags und Sonntags ab 14:30 Uhr)

 

Glass Tiger feat. Rod Stewart

Glass Tiger feat. Rod Stewart

My Town (1991) Text: Doris Gietler-Gröblinger

Vielleicht ist Glass Tiger einigen Hörern noch ein Begriff? Deren Erfolg ist seit ihrer Entstehung 1980 - damals unter dem Namen Tokyo - sehr durchwachsen. Allerdings haben sich Glass Tiger für ihre Songs zwei richtige Musikgrößen geangelt: Niemand Geringeres als Brian Adams und Rod Stewart. Beide haben etliche Ohrwürmer produziert, die wir noch immer gerne singen. Sei es Summer of '69 oder Sailing. Natürlich blieb der Erfolg nicht aus: Der Song in Kooperation mit Brian Adams "Don't forget me, when I' m gone" schafft es auf Platz 2 der Billboard Hot 100. Wir möchten euch allerdings "My Town" in Zusammenarbeit mit Rod Stewart ins Gedächtnis rufen. Kurios an der Geschichte: Es ist recht unbekannt, dass er an diesem Titel mitgewirkt hat. Alan Frews, ein Bandmitglied von Glass Tiger, ist Schotte und hat damit eine Gemeinsamkeit mit Rod Stewart, der auch schottische Wurzeln aufweist. Obwohl sie den Song gemeinsam verfassten, kam ihnen erst kurz vor der Produktion in den Sinn, Rod Stewart als externen Sänger zu engagieren. Einer wollte nicht aufdringlich wirken und der andere sich nicht anbiedern. Auch im Musikbusiness gibt es Schüchternheit und Selbstzweifel. Anyway - sie haben es geschafft und in Canada 1991 einen echten Hit gelandet. Wer nun mehr von Glass Tiger hören möchte: 2005 erschien die Compilation "No turning back" und 2012 ihr letztes Studioalbum "Then - Now - Next".

Black Blood

Black Blood

A.I.E. (A Mwana) (1975) Text: Doris Gietler-Gröblinger

Der nächste Song versprüht african vibes und löst großes Fernweh aus. "Aie a Mwana" - weder ganz leicht auszusprechen, noch zu merken. Doch dieser Umstand hat trotzdem keinen Produzenten davon abgehalten, die Single erneut zu veröffentlichen. Im Original geschrieben von dem französisch-belgischen Duo, bestehend aus Daniel Vangarde und Jean Kluger. Das erste Mal wurde das Lied 1971 unter dem Titel "Aieaoa" aufgenommen. Kurze Zeit später, bereits 1975, mit swahilischem Text von Black Blood gecovert. Diese Version erlangte große Beliebtheit. Sie wurde dem Videospiel "Pro Evolution Soccer 2011" als musikalische Untermalung beigefügt. Apropos Fußball: Eingefleischten Fans wird es nun dämmern. Unter dem Titel "Helele" wurde der Song 2010 die offizielle FIFA World Cup Hymne - diesmal von Safri Duo und Velile neu vertont. Für alle rhythmisch Begabten ist die Version von Black Blood ein wahrer Genuss.

Ramsey Lewis

Ramsey Lewis

Wade In The Water (1966) Text: Doris Gietler-Gröblinger

Songs, die unter die Haut gehen: "Wade in the water", ein geschichtsträchtiges Lied, dessen Wurzeln in den USA mit der beginnenden Sklaverei im 17 Jahrhundert liegen. Eine christliche Liedgattung, auch African - American - Spiritual, die für den später entstandenen Gospel unerlässlich ist. Der Text wurde 1901 veröffentlicht, die erste Tonaufnahme folgte 1925. Seitdem gab es zahlreiche Neuinterpretationen in unterschiedlichen Musikgattungen. Ob Jazz, Blues oder Soul - der Song erweist sich als wahrer Genrehybrid. Drei Aufnahmen zählen zu den Bekanntesten: Die des Golden-Gate-Quartett, Ende der 40er, des Ramsey Lewis Trios, Mitte der 60er und Eva Cassidy aus dem Jahr 1997. Nun noch ein textlicher Input: Die einzelnen Strophen haben ihren Ursprung sowohl im Alten als auch Neuen Testament. Genauer beinhaltet es den Auszug aus Ägypten. Der Refrain "Wade in the water, children", "God's gonna trouble the water", nimmt Bezug auf das Johannes Evangelium. Die Redaktion hat sich für die Version von Ramsey Lewis aus dem Jahr 1966 entschieden. 1937 geboren, erhielt Ramsey bereits mit vier Jahren Klavierunterricht. Als begnadeter Sänger (und in späterer Folge Radiomoderator), gründete er die Band Ramsey Lewis Trio mit Isaac "Red" Holt und Eldee Young. Ihr Debütalbum veröffentlichten sie 1956. Neun Jahre später wurde der Song "The in Crowd" ein wahrer Hit. "Wade in the water" bleibt auf jeden Fall ebenso ein zeitloser Klassiker und ist für das POC Movement noch immer von großer Bedeutung.

Can

Can

Spoon (1972) Text: Doris Gietler Gröblinger

Es gibt deutsche Bands mit einer bewegten Vergangenheit: Zwei Gründungen, ebenso viele Trennungen, fünf Gründungsmitglieder, vier ehemalige Member und fünf Gastmusiker. Die Rede ist von der 1968 gegründeten Band Can. Ins Leben gerufen von Jaki Liebezeit, Michael Karoli, Irmin Schmidt, David Johnson und Holger Czukay. Und diese Gruppe war derart progressiv und funky, dass sie bis heute keinem bestimmten Musikstil zuordenbar ist: Free- & Avantgarde-Jazz, Funk, Psychedelic- & Krautrock sowie elektronische Musik. Can probierte alles. Vor rund 50 Jahren hatten sie einen richtig großen Hit: Spoon. Der Titelsong eines Krimis, ein sogenannter Durbridge-Film "das Messer". 2012 erschien die CD "Can" inklusive unveröffentlichter Aufnahmen. Obwohl einige Hauptakteure schon verstarben, fanden sich 2018 einige Ex-Cans in der Kölner Philharmonie zu einem Konzert mit Gianna Nannini, Baba Zula oder Drums of Chaos ein und rockten den Abend.

Blondie

Blondie

Maria (1999) Text: Doris Gietler-Gröblinger

She moves like she don´t care, smooth as silk, cool as air. Ob Deborah Harry sich selbst besang? Niemand weiß es. Obwohl diese Zeilen ganz wunderbar zu dem einstigen Sexsymbol der 70er und 80er passen. Sie arbeitete vor ihrem Durchbruch Ende der 60er als sinnliches Bunny im New Yorker Playboy Club. Deborah empfand diesen Job als einen der besten und bezeichnete ihn als pures Abenteuer. Ihr Start war etwas holprig: 1945 in Florida geboren, von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben, wuchs sie in New Jersey bei ihren Pflegeeltern auf und zog - trotz des Widerstandes ihrer Eltern - Mitte der 60er nach New York. Damit ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. In einem der angesagtesten Clubs, dem Max´s Kansas City, traf sie unter anderem Andy Warhol, dessen Muse sie wurde. Da die spätere Punk-Queen es besonders unterhaltsam fand, Blondie genannt zu werden, übernahm sie den Spitznamen für ihre Band. Danach folgte eine wahre Flut an Auszeichnungen für Hitsingles wie: Dreaming, The Tide is High oder Atomic. Die Gruppe tourte mit David Bowie sowie Iggy Pop und verkaufte 40 Millionnen Tonträger. Die Sängerin selbst beeinflusste Megastars wie Madonna oder sogar die feministische Riot-Grrl Bewegung. Weitere Abenteuer der Kunstikone finden sich bestimmt in ihren Memoiren "Face it".